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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 25.10.2005 00:08 Antworten mit ZitatNach oben

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse
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kleenechiara



Anmeldungsdatum: 01.11.2005
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 10.12.2005 22:04 Antworten mit ZitatNach oben

Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich – ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück


Embarassed das musst ich mal auswendig lernen
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 04.01.2006 21:08 Antworten mit ZitatNach oben

Hunde haben keine Flügel,
der Maulwurf kann den Baum nicht sehn',
Hühner haben keine Hände
und nur du kannst mich verstehn'

Socken haben keine Ohren,
Taschenlampen haben selten Abitur,
Autoreifen gehen nie in's Kino
doch wirklich verstehen kannst du mich nur!

Was ich damit sagen will,
ist mir selbst nicht so ganz klar
vielleicht ist's auch nur die Ahnung einer Frage,
die dir zu stellen ich mir selbst nicht eingestehen kann
...oder so.

Igel haben keine Haare,
und Möhren gehen selten in Konkurs,
Aschenbecher leben sehr gefährlich,
doch wirklich verstehen kannst du mich nur!

Was ich damit sagen will,
ist mir immernoch nicht klar,
vielleicht verschieb' ich's auch lieber mal auf Morgen.
Obwohl jetzt bist du schonmal hier
und jetzt fass ich mir ein Herz,
ohh

Willst du mit mir schlafen?
Und-wenn-nicht-ist-auch-gar-nicht-so-schlimm
Kannst auch einfach nur übernachten,
irgendwie kriegen wir das schon hin.

Ich kann dir ja auch noch 'ne Gutenachgeschichte erzählen,
von diesem Land, ha!, wo alles erlaubt ist:
Wo man sich nackt und hemmungslos auf einer Wiese wälzen kann,
und wenn einer vorbei kommt, pe!, na und?

Willst du mit mir schlafen?
Du sagst "Ja"?
Oh, da bin-ich-aber-jetzt etwas überrumpelt
irgendwie geht mir das zu schnell

(gesprochen)
"Du gehst ja ganz schön rann! Mein Lieber Herr Gesangsverein, wenn ich das gewusst hätte!"

Ohhh ahhh Ohhh ahhh

Hunde können plötzlich fliegen
und Taschenlampen feiern Abitur,
Socken kriegen große rote Ohren,
wirklich verstehen, kannst du mich nur.

Rüdiger Hoffmann
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 04.01.2006 21:11 Antworten mit ZitatNach oben

Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

2. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

3. Du liebes Kind, komm geh' mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.

4. Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind.

5. Willst feiner Knabe du mit mir geh'n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.

6. Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh'es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

7. Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan.

8. Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.

Johann Wolfgang von Goethe
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 13.02.2006 16:07 Antworten mit ZitatNach oben

Als ich das Fenster öffnete,
schwammen Fische ins Zimmer,
Heringe. Es schien
eben ein Schwarm vorüberzuziehen.
Auch zwischen den Birnbäumen spielten sie.
Die meisten aber
hielten sich noch im Wald,
über den Schonungen und den Kiesgruben.

Sie sind lästig. Lästiger aber sind noch die Matrosen
(auch höhere Ränge, Steuerleute, Kapitäne),
die vielfach ans offene Fenster kommen
und um Feuer bitten für ihren schlechten Tabak.

Ich will ausziehen.

Günter Eich
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 14.04.2006 10:05 Antworten mit ZitatNach oben

Du und ich - wir drei
(Die blinde Taube)


Es war Mai ich glaube
Da flog 'ne blinde Taube
Zu ihrem first blind Date
Leider viel too late

(Zwischenbemerkung: Hier ist viel englisch mit drin, das ist aber Absicht.)

Der Vogel war ganz lieb
Doch war er nicht ihr Typ
Da saß ein grauer Star
Den sie noch nicht mal sah

Da war die Taube wütend
Und auch ein bißchen sauer
Nun flog sie ungebremst
Vor eine dicke Mauer

Ein roter Fleck blieb kleben
Erinnert an ihr Leben
Da seht ihr was geschieht
Wenn man zu wenig sieht

(Johann König)
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 14.04.2006 10:36 Antworten mit ZitatNach oben

Wenn ich dich sehe dann gibt's ein Gewitter
Meiner Synapsen und Transmitter
Wenn wir mal eng beeinander sitzen
Dann fühle ich subkutan Ameisen flitzen
Wenn du beginnst mir ins Ohr zu säuseln
Dann spür' ich im Nacken die Haare sich kräuseln
Und wenn du mich küßt in des Raumes Stille
So ist das weder mein Wunsch noch mein Wille

(Johann König, der über Gefühle fast so schreibt, als hätte er welche.)
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 04.08.2006 08:16 Antworten mit ZitatNach oben

Tot zu sein ist komisch

Glasige Augen.
Hände wie Eis.
Er ist so kalt jetzt,
und er war doch mal so heiß.
Tot zu sein ist komisch.

Gestern so poltrig,
heute so still.
Gestern noch prächtig,
heute schon Müll.
Tot zu sein ist komisch.
Tot zu sein ist komisch.

Dieses Grapschen
und sein Glotzen,
als er lebte,
war zum kotzen.
Doch als Leiche
wirkt er jetzt
ganz gesittet
und gesetzt.

Wenn er mir nahkam,
nahm er mich her.
Jetzt komm ich ihm nah,
und wehrlos ist er.
Tot zu sein ist komisch.
Tot zu sein ist komisch.

Tot zu sein ist komisch.
Tot zu sein ist komisch.

Sein Geschwätz
und sein Benehmen,
als er lebte,
war zum Schämen.
Doch als Leiche
riecht er bloß,
sonst hält er
sich tadellos.

Er war mir lästig
in meinem Bett.
Jetzt denk ich plötzlich:
Er war doch ganz nett.
Tot zu sein ist komisch.
Tot zu sein ist komisch.
Tot zu sein ist komisch

(aus: Tanz der Vampire)
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wurensh99



Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 361

BeitragVerfasst am: 27.01.2007 08:55 Antworten mit ZitatNach oben

Unreim

Ich drücke Reime raus,
durchs Reimen drück ich mich aus,
Reimen ist ein Muss,
doch damit ist jetzt Schluss!

Reime, die sich reimen,
das kann jeder,
Reime, die sich nicht reimen,
das ist schon schwerer.

Es sieht aus wie ein Reim,
und ist gar kein.
Verdammt, es klappt nicht,
immer reim ich.

Reimen, reimen,
ich reim euch einen.
Blaukraut bleibt Blaukraut
und Reimzwang bleibt Reimzwang.

(Johann König)
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